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„Da ist ein Land der Lebenden und ein Land der Toten.

Und die Brücke zwischen ihnen ist die Liebe, das einzige Bleibende, der einzige Sinn.“

(Thornton Wilder)

Blog und Fundstücke

1. April 2021

Vom Tun und vom Sein

A. bekam ihre Diagnose am Gründonnerstag 2020: In ihrem Kopf waren mehrere Tumore. Der Brustkrebs, von dem sie hoffte, ihn besiegt zu haben, war in ihren Körper an anderen Stellen zurückgekehrt. Am Karfreitag bekam jede von uns Freundinnen einen Anruf von ihr. Sie verteilte Aufgaben, meine war herauszufinden, welche Möglichkeiten in Deutschland bestanden, selbstbestimmt zu sterben. Patientenverfügung, Testament, Hospizsuche - wir alle wurden mit verschiedenen Dingen beauftragt, die ihr nahendes Sterben betrafen. Es wurden noch dreieinhalb Monate bis zu ihrem Tod.

„Unser Tod mag der Schlusspunkt hinter unseren Erfolgen, unserer Produktivität, unserer Bekanntheit und unserer Bedeutung unter den Menschen sein, aber er ist nicht der Schlusspunkt unseres Fruchtbarwerdens“ schreibt der Theologe Henri Nouwen in seinem Buch "Die Gabe der Vollendung". Als Beispiel führt er Jesus an: Der lebte nicht mal 40 Jahre, war nie außer Landes gereist, zu Lebzeiten begriff man ihn nicht richtig, als er starb, hielten nur noch wenige zu ihm. Man könnte sagen, sein Leben war in jeder Hinsicht ein Fehlschlag. Der Erfolg hatte ihn verlassen, seine Beliebtheit war geschwunden, seine Macht war vorbei. Und doch ist offensichtlich, das sein Leben nachhaltig kommende Kulturen geprägt hat.


Nun, Jesus war einmalig. Und natürlich kann ich A. nicht mit Jesus vergleichen. Aber sie hat mein Leben geprägt. Nicht nur dadurch, dass sie 45 Jahre meine Freundin war. Sondern durch die Frucht, die in meinem Leben aufging: Wäre sie nicht gestorben, wäre ich heute nicht freie Trauerrednerin.

„Wie kann ich so leben, dass ich auch dann, wenn ich nicht mehr bin, weiterhin fruchtbar sein kann?“ fragt Nouwen. Diese Frage verlegt unsere Aufmerksamkeit in unserem Leben von unserem Tun auf unser Sein. Unser Tun bewirkt Erfolg oder Misserfolg, unser Sein bewirkt Frucht. Dieser Fokus stellt für mich eine täglich neue Herausforderung dar. Und das wird es in Zukunft noch viel mehr, falls ich das Glück habe, alt und schwach zu werden und zunehmend die Fähigkeit verlieren werde, Dinge zu tun. 
An A. erinnere ich mich, wie sie gewesen ist, nicht an das, was sie getan oder geleistet hat. Dafür bin ich dankbar.

4. Februar 2021

Buchvorstellung "Das Geheimnis eines guten Lebens" von Carl Achleitner

Zum Geburtstag haben mir meine Freundinnen ein Buch geschenkt. Ein echter Schatz!

Ich erzähle Ihnen hier kurz über das Buch des österreichischen Trauerredners Carl Achleitner "Das Geheimnis eines guten Lebens".

19. November 2020

Der Zug des Lebens

Ein Lehrer an der Schule meiner Kinder hat uns Eltern dieses Video gezeigt. Ich habe gegrübelt, warum er das tat. Ich denke, er wollte unser Augenmerk darauf lenken, was wirklich wichtig ist im Leben. Dafür bin ich ihm heute noch dankbar. Ich habe dieses Video in den vergangenen Jahren mehrfach gesehen. Ich bin immer wieder sehr berührt.

22. Oktober 2020: WDR 5 spezial

Herbert Feuersteins Nachruf auf sich selbst

Am 6. Oktober 2020 starb der Journalist und Entertainer Herbert Feuerstein. Der 83jährige hatte schon fünf Jahre zuvor seinen eigenen Nachruf verfasst. „Auf die Kollegen“, so schreibt der WDR, „wollte er sich dabei wohl lieber nicht verlassen“.

Und Feuerstein selbst sagt in seinem Nachruf: "Ich will nicht lange drumherum reden: Ich bin jetzt tot und und Sie, liebe Hörerinnen und Hörer, werden das eines Tages auch sein. Spätestens dann sind wir quitt."
In dem 115-minütigen Audiobeitrag hat Feuerstein viele Phasen seines Lebens zusammengefasst: Es geht um Musik, sein Leben in New York, seine Arbeit beim Satiremagazin „MAD“ und seine lange Zusammenarbeit mit Harald Schmidt.

Sehr berührend, sehr hörenswert.